Wild & Cosy |
Buchtipp

Raue schottische Natur trifft wärmende Rezepte

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
© Alexander Kuhlmann

13 November 2020

„Coorie“ – so lautet der Begriff, der nach dem dänischen „hygge“ eine neue Art der Gemütlichkeit in der kalten Jahreszeit beschreibt. Dieser aus Schottland stammende Trend kombiniert die dortige raue Landschaft und das oftmals widrige Wetter mit einer Heimeligkeit im Inneren der rustikal-gemütlichen Cottages. Die passenden Rezepte liefert das Buch „Wild & Cosy“ von Julia Cawley, Saskia van Deelen und Vera Schäper. Bildgewaltig zieht uns das Buch hinein in die schottischen Sehnsuchtslandschaften der Highlands und Küsten und am liebsten hätten wir schon jetzt einen wärmenden Hot Toddy (heißes Whiskygetränk) in der Hand ...

Der Untertitel von Wild & Cosy ist der Leitfaden für dieses Buch: Wärmende Rezepte für kalte Tage. Wir befinden uns in Schottland in den Jahreszeiten Herbst und Winter. Wer fährt denn dort freiwillig hin? Julia Cawley! Die Fotografin, Bloggerin und Buchautorin, die uns bereits aus etlichen Projekten bekannt ist – man denke nur an die traumhaften Fotos in den New York Christmas-Büchern, an die Zusammenarbeit mit Lisa Nieschlag im Blog „Liz & Jewels“ oder an ihre tollen Rezepte für unser Journal –, hat sich ihren Mann geschnappt und ist der Natur und Landschaft Schottlands kurzerhand mit der Linse auf die Spur gegangen. Darauf kann man nicht nur neidisch sein, sondern man muss auch das Ergebnis ihrer Arbeit anerkennend bewundern. Neben Julia war Vera Schäper als Grafikdesignerin mit im Boot und Saskia van Deelen unterstützte das Team als Rezeptentwicklerin und Foodstylistin.

Coorie-Feeling pur

Ein Frauenpower-Team entwickelte also mit Wild & Cosy ein Buch über die wilde Naturschönheit Schottlands, die nun mit wärmenden Gerichten im gemütlichen Häuschen gebändigt werden soll. Und das ist durchaus gelungen. Die Besonderheit ist die Verbindung von Rezepten auf der einen und dem Coorie-Mood-Teil auf der anderen Seite. Bevor es mit den Rezepten losgeht, gibt es zu jedem Kapitel einen mehrere Seiten langen Einleitungsteil, der mithilfe von eindrucksvollen Fotos, gefühlsgeladenen Beschreibungen und englischsprachigen Sprichwörtern das Coorie-Feeling heraufbeschwört. Beim Durchblättern und Betrachten taucht man von Seite zu Seite mehr ein in dieses Gefühl. Im zweiten Schritt bleibt man bei den Rezepten hängen – mh, das könnte ich doch auch mal ausprobieren…

Im ersten Moment stutzt man ein wenig bei den Kapitelnamen und den zugehörigen Speisen. Whisky-Porridge zum Frühstück? Okay, warum nicht. Neben diesen und anderen üppigen Frühstücksideen gibt es Rezepte für Suppen und heiße Drinks, Gerichte mit Fisch, Fleisch oder Vegetarischem, Tea-Time-Leckereien und süße Verführungen. Es kann ganz schön deftig werden mit Shepherd’s Pie, Gemüse-Stew oder Zwiebelsuppe mit Käsekruste. Aber auch die feine, verspieltere Küche ist mit Gerichten wie Schokoladenrisotto mit Cassis-Feigen und Granatapfelkernen oder Porchierte Birne mit Guinness-Sabayon vertreten.

Fazit: Ob es einen neuen Gemütlichkeitstrend nach hygge und Co. geben muss, sei einmal dahingestellt. Aber wenn es um das Coorie geht, ist Wild & Cosy auf jeden Fall ein Buch, das dieses Gefühl zu 100 % einfängt. Geeignet nicht nur für Schottland-Fanatiker, sondern auch für Fans von Landschaft, Bildbänden und natürlich leckerem Essen. Ein kleines Achtung zum Schluss: Das Buch mag suggerieren, dass es hier auch ausschließlich um die traditionell schottische Küche geht. Das ist nicht der Fall. Zwar finden sich viele schottische, bzw. britisch inspirierte Rezepte, jedoch sind auch ursprünglich deutsche und international angehauchte Ideen mit dabei.

Julia Cawley, Saskia van Deelen und Vera Schäper:
Wild & Cosy.
Wärmende Rezepte für kalte Tage
Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2020
gebunden, 168 S.
ISBN: 978-3-7995-1476-7
28 €

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