Green Heroes:
umtüten

Junges Start-up revolutioniert die Idee des Mehrwegbeutels

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
© umtüten

19 April 2022

Das Unternehmen „umtüten“ entstand vor 7 Jahren aus einem Studentenprojekt in Kiel. Das Ziel damals wie heute: Einwegverpackungen einsparen bis hin zum zero-waste-lifestyle. umtüten-Gründerinnen Anja Kromer und Christina Lehmann entwickelten mit ihren sogenannten „Tüüten“ einzigartige Mehrwegbeutel, die ihrer Konkurrenz einiges voraus haben. Mittlerweile ist aus „umtüten“ ein Impact-Unternehmen mit 4-köpfigem Team und rund 400 Verkaufsstellen geworden. Ein klarer Kandidat für unsere Green-Heroes-Rubrik. Wir haben im Gespräch mit Christina viel Interessantes über die „Tüüten“ erfahren.

Die innovative „Tüüt“

Die Schreibweise des Wortes „Tüüten“ springt uns ins Auge und lässt uns sofort erahnen: Bei „umtüten“ geht es um etwas ganz Neues. Auch wenn nachhaltig orientierte Menschen schon seit einiger Zeit Mehrwegbeutel für den täglichen Einkauf nutzen, haben wir mit der „Tüüt“ doch eine Innovation in der Hand. Die Unterschiede zu normalen Mehrwegbeuteln sind vielfältig: komplett nachhaltige Materialien (Bio-Baumwolle, recycelter Jeansstoff, kompostierbare Maisstärke, ökologische Druckfarben), transparente Lieferketten, handgefertigt in Deutschland, innovatives Frische-Inlay, liebevolles Design und handgedruckte Sondereditionen – die Liste der Vorteile ist lang. Genaueres erfahrt ihr dazu im anschließenden Interview mit Christina.

Die „Tüüt“ gibt es in drei Varianten. Die „Markt-Tüüt“ und die „Snack-Tüüt“ verraten ihren Verwendungszweck bereits im Namen. Sie sind beide jeweils mit dem besonderen, plastikfreien aber wasserdichten Inlay aus Maisstärke ausgestattet und eignen sich daher auch sehr gut zum Aufbewahren und Frischhalten von Lebensmitteln – sperrige Boxen und unnachhaltige Folien Ade.
Für Brot, Brötchen und Co. eignet sich sehr gut die große „Brot-Tüüt“ ohne Inlay.

Erfahrt hier mehr:
umtueten.de
vimeo

Interview mit Mitbegründerin Christina Lehmann

Über Christina

Unsere Interviewpartnerin Christina stammt aus Leipzig, ist 31 Jahre alt und studierte Umweltmanagerin. Fragen zu Umwelt und Nachhaltigkeit interessierten sie schon lange vor ihrem Studium, weshalb sie sich bei Organisationen wie der BUNDjugend ehrenamtlich im Bereich Umweltbildung engagierte. Während des Masterstudienganges in Kiel arbeitete sie zusammen mit Anja Kromer (der zweiten Gründerin von „umtüten“) an einem lokalen Umweltprojekt zum Thema Einwegmüll. Hier entstanden die ersten Ideen zu den „Tüüten“. Das Projekt entwickelte sich immer weiter und mündete schließlich in das Unternehmen „umtüten“.

Wir haben mit Christina über die Ideen hinter „umtüten“, über Nachhaltigkeit und natürlich über die tollen „Tüüten“ an sich gesprochen…

VIVANI

Liebe Christina, wie kommen zwei junge Studentinnen dazu, ein Startup auf die Beine zu stellen, dass sich rund um Mehrwegbeutel dreht? Ich habe gelesen, du und Mitbegründerin Anja waren total genervt...?

Christina

Das stimmt! Kurz vor unserer Gründung haben wir nur noch Einwegmüll in unserem Alltag wahrgenommen. Das hat uns total genervt. Diese Energie wollten wir deshalb in etwas Positives, Kraftvolles umwandeln. Denn vor 6 Jahren war „zero waste“ in Deutschland noch nicht präsent. Anja und mich nervte der ständige Müllkonsum, jedoch fehlten uns die Lösungen, um ihn zu reduzieren und dazu noch andere mitzureißen.

Als Teil des Masterstudiums starteten wir ein lokales Umweltprojekt in Kiel. Wir haben damals Nachhaltigkeitswissenschaften und Umweltmanagement studiert. Zwei Jahre gingen wir dem Projekt (auch neben der Uni) nach und brachten uns alles selbst bei, um eine für uns nachhaltige und sinnvolle Alternative zu Einwegverpackung anzubieten und Menschen zu motivieren, weniger Einweg zu konsumieren.

VIVANI

Ihr habt mit euren Beuteln eine Innovation geschaffen und auf den Markt gebracht. Was aber ist so neu an euren „Tüüten“? Mittlerweile bieten viele Bioläden oder sogar Supermärkte eigene wiederverwendbare Beutel an. Was kann die „Tüüt“, was andere Beutel nicht können?

Christina

Zum einen haben unsere Tüüten ein pflanzliches Inlay, das Gemüse, Brot und Snacks länger frisch hält. Außerdem wollen wir in Kooperation mit Künstler*innen und schönen Designs motivieren, zero waste gern und einfach im Alltag zu integrieren. Unsere Prio ist dabei immer, nicht nur ein Mehrweg-Produkt anzubieten. Wir wollen es vor allem auch super nachhaltig herstellen. Wir setzen dafür auf eine transparente und nachhaltige Lieferkette, handgefertigt in Deutschland.

VIVANI

Erzähl uns doch noch ein wenig mehr zur Nachhaltigkeit eurer „Tüüten“. Welche Materialien werden für die Produktion benötigt, woher stammen sie und wer näht die Tüüten?

Christina

Wir spinnen, weben und nähen unsere Tüüten im Münsterland. Auch der Färbe- und Druckvorgang findet vor Ort in kleinen Handwerksunternehmen, häufig händisch, statt. Wir arbeiten am liebsten mit kleinen lokalen Produzent*innen, die ökologisch und sozial arbeiten und ihr Handwerk in Perfektion (und mit viel Liebe) ausführen. So konnten wir ein Netzwerk im Münsterland im Umkreis von 100 km spannen.
Außerdem schauen wir uns jedes einzelne Material genau an, mit dem Ziel, es so nachhaltig wie möglich zu erhalten. Das heißt, wir schauen woher es stammt und wie (ökologisch und sozial) es weiterverarbeitet wird. So stammt unsere Bio-Baumwolle z. B. aus Tansania und wird dort von Kleinbäuerinnen und -bauern fair und regenbewässert angebaut.

VIVANI

Besonders spannend finden wir auch eure Idee eines wasserdichten Inlays. Es hat die Eigenschaften von Plastik, ist aber keins. Wie funktioniert das?

Christina

Unser Inlay besteht aus pflanzlicher Maisstärke. Der Mais hierfür wird in Europa gentechnikfrei angebaut. So ist das Inlay biologisch abbaubar, kompostierbar und ca. 2 Jahre verwendbar. Dann wird es spröde (und man kann ein neues Inlay einnähen.)

VIVANI

Noch einmal zu dem tollen Inlay: Wie kann ich denn die „Tüüt“ reinigen, einfach in die Waschmaschine? Und was mache ich, wenn das Inlay mal undicht wird, ist dann meine ganze „Tüüt“ hinüber?

Christina

Die Tüüt reinigt man nach dem Gebrauch am besten händisch. Das ist am schnellsten und effektivsten. Also einfach Tüüt umkrempeln, mit Schwamm abschrubben und mit klarem Wasser abspülen. Falls der Außenstoff mal verdreckt sein sollte, kann man sie auch ab und an bei 40 Grad in der Maschine waschen.
Ganz wichtig ist uns auch hier die Nachhaltigkeit und damit Langlebigkeit des Produktes. Da das Inlay nach ca. 2 Jahren schneller einreißt, bieten wir Ersatz-Inlays an, die ganz einfach selber eingenäht werden können.

VIVANI

Die Designs eurer „Tüüten“ sind wirklich sehr ansprechend und ihr produziert regelmäßig Sondereditionen. Wie läuft dieser kreative Prozess bei euch ab? Habt ihr in euren Reihen einige sehr kreative Köpfe oder arbeitet ihr mit Künstler*innen und Designer*innen zusammen?

Christina

Wir lieben Kunst, Design und Ästhetik! Deshalb denken wir uns hin und wieder eigene Designs aus, lieben aber auch die Zusammenarbeit mit einzelnen Künstler*innen. In unserem Team ist eine Kommunikationsdesignerin, aber auch alle anderen lieben es, sich mit neuen Farben und Formen auseinanderzusetzen.

VIVANI

Stichwort nachhaltiges Wachstum: Was plant umtüten für die Zukunft? Werdet ihr eure Produktpalette erweitern oder habt ihr noch ganz andere Ideen, von denen wir jetzt noch nichts ahnen können?

Christina

Wir möchten super gerne weitere Produkte anbieten. Daran arbeiten wir gerade. Außerdem möchten wir wieder mehr Zeit und Freiraum für Bildungsprojekte haben. Vor Corona haben wir eine Nachhaltigkeitsausstellung entwickelt und Motivationsworkshops in Schulen und Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit und Müllvermeidung gegeben. Wir hoffen, dass wir uns in den Bereichen bald wieder mehr austoben können.

VIVANI

Zum Schluss – wie immer bei uns – eine Schokoladenfrage: Eignet sich die Snack-„Tüüt“ auch zur Aufbewahrung von Schokolade und angebrochenen Tafeln? Was sagen eure Erfahrungswerte?

Christina

Auf jeden Fall! Bei unseren unverpackt-Einkäufen landet Schokolade immer in der Tüüt und bleibt da drin, bis sie komplett aufgegessen ist. (Das geht manchmal jedoch sehr schnell).

VIVANI

Liebe Christina, danke für dieses Gespräch und die spannenden Einblicke in euer Unternehmen!

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