Schokomarathon zum Valentinstag in Japan

Hochwertiger Schokogeschenke in glitzernder Konsumwelt

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
istock yo-ichi

11 Februar 2013

Dass in Japan die Uhren manchmal anders ticken, ist ja bereits bekannt. Aber wer hätte gedacht, dass der Valentinstag in dem fernöstlichen Land zu einem der größten Konsumfeste zählt, ähnlich unserem Weihnachten?! Und die Hauptrolle spielt dort – wie könnte man es an dieser Stelle auch anders erwarten - Schokolade!

Kurz vor dem 14. Februar, dem Valentinstag, wird es voll in japanischen Kaufhäusern. Aber wer genau hinschaut, wird sich wundern, hier hauptsächlich aufgeregte Frauen durch die Regalreihen flitzen zu sehen. Im Gegensatz zu Deutschland und anderen westlichen Ländern hat in Japan nämlich nicht der Mann die Pflicht, seiner Süßen Süßes zu besorgen. Im Land der aufgehenden Sonne muss an diesem Tag allein das weibliche Geschlecht dafür sorgen, seinem Liebsten ein Geschenk zu machen. Dieses Geschenk ist strikt vorgegeben und besteht in der Regel aus Vollmilchschokolade in ansprechender, aufwendiger Verpackung. Doch damit noch nicht genug: Nahezu alle männlichen Vertreter des näheren Umfeldes müssen bedacht werden, inklusive dem Chef und der männlicher Arbeitskollegen. Personen, die hoch geschätzt werden, erhalten dabei ein besonders hochwertiges Schokogeschenk, während beispielsweise ungeliebte Mitarbeiter mit der sogenannten „Giri-choko“, d.h. „Pflichtschokolade“, abgespeist werden.

„White Day“ – die Männer trumpfen auf

 

Aber um nicht ungerecht zu sein, bekommen auch die Damen in Japan im Gegenzug von ihren Liebsten schokoladige Ehrerbietungen. Einen Monat nach dem Valentinstag schenken die japanischen Männer ihren Liebsten vor allem weiße Schokolade, weshalb der Tag „White Day“ genannt wird. Auch am „White Day“ gibt es die „Giri-choko“ für weniger wichtige Mitmenschen aus dem Umfeld.

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Tradition in Japan? Eigentlich kann man bei dem gegenseitigen Valentinstag kaum von Tradition sprechen, denn die Idee geht auf ein geschicktes Marketingkonzept japanischer Süßwarenhersteller aus den 1970er Jahren zurück. Aufgeputscht von den Massenmedien wurde die vermeintliche Tradition zu einem Topseller, ähnlich dem westlichen Weihnachten. Heutzutage verzeichnen die japanischen Schokoladenhersteller rund um die Valentinsfeierlichkeiten 20 Prozent ihres Jahresumsatzes!

Valentinstag in Europa: Nicht nur Schokolade

In Japan ist der Valentinstag eher ein Fest der sozialen Beziehungen und hat nur noch wenig mit dem Ursprungsmythos zu tun. In Europa orientiert er sich jedoch noch stärker an der ursprünglichen Tradition. Der Legende nach schenkte der italienische Bischof Valentin von Terni, der 270 n. Chr. als Märtyrer ums Leben kam, frisch Vermählten stets bunte Blumensträuße aus seinem Garten, wodurch er zum Schutzpatron der Liebenden avancierte. Dies ist der Grund, warum in der westlichen Welt Blumen als Geschenk im Vordergrund stehen. Aber seit einigen Jahren sind auch schokoladige Grüße an die Liebste eine immer beliebtere Variante zum Blumenstrauß. Im Gegensatz zu Japan sind hierzulande keine Vorgaben bezüglich Sorte oder Form zu berücksichtigen und somit kann der Schenker selbst wählen, ob Tafeln oder Pralinen seine Angebetete beglücken sollen. Und weil die Qualität natürlich immer etwas über die Message eines Geschenkes aussagt – wie wäre es 2013 mal mit einer leckeren Schokolade aus nachhaltiger Produktion?!

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