Erstes eigenes Kakaoprojekt startet

"Sustainable Organic Cocoa Project" soll Lebenssituationen und Ökolandbau in der Dominikanischen Republik verbessern

Text:
Alexander Kuhlmann

Photography:
© Alexander Kuhlmann
© Mayarí Chúa Soto

2 Februar 2021

Um die Situation in den Ursprüngen unseres Kakaos nachhaltig zu verbessern, lancieren wir derzeit ein eigenes "Direct Trade"-Projekt für besonders nachhaltig und fair erzeugten Kakao in der Dominikanischen Republik.

Wir haben uns mit unserem Produktionspartner – der Schokoladenfabrik Weinrich – und der dominikanischen Stiftung FUPAROCA, Inc. zusammengeschlossen, um die Lebensgrundlage von (zunächst) 150 kakaoproduzierenden Familien in den östlichen Regionen der Dominikanischen Republik zu verbessern. Im Oktober 2020 ist das Projekt offiziell gestartet und ist als Langzeitprojekt angelegt.

Neben einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit des Kakaos bis zu den Farmen sind weitere Ziele des „Sustainable Organic Cocoa Projects“die Steigerung der Ernteerträge und der Biodiversität auf den Farmen, der Zugang zu Trinkwasser sowie die Zahlung von zusätzlichen Prämien. Gezielte Schulungen sollen die Farmer*innen in den besonderen Ansprüchen des ökologischen Anbaus und der „Good Agricultural Practices“ stärken. Hierdurch können sie ihr Einkommen und ihre Lebenssituationen langfristig verbessern.

Der „Direct Trade“ Kakao aus diesem besonderen Projekt wird dann sukzessive in die Produktionen unserer VIVANI Schokoladen einfließen.


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Vorab haben wir dem FUPAROCA-Verantwortlichen José Camilo und EcoFinia-Geschäftsführer und VIVANI-Gründer Andreas Meyer ein paar Fragen gestellt, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist und was die beiden dazu bewegt hat.

DAS SAGEN DIE VERANTWORTLICHEN ZUM PROJEKTSTART

VIVANI

Die Suche nach einem starken Partner vor Ort wurde von Weinrich und EcoFinia in den letzten Jahren akribisch durchgeführt. Welche Parameter waren bei der Suche entscheidend?

Andreas Meyer (EcoFinia)

Der für unsere Marken VIVANI und iChoc verwendete Bio-Kakao stammt seit Jahren zum überwiegenden Teil aus der Dominikanischen Republik. Dort ist der Bio-Kakaoanbau sehr weit entwickelt und die Qualität der Kakaobohnen ist hervorragend. Deshalb haben wir uns auch nach möglichen Partnern in diesem Land umgeschaut. Auf verschiedenen Reisen wurden viele Gespräche mit Kakaobauern-Kooperativen, NGO’s und Exporteuren geführt. Als positives Ergebnis dieser Reisen und Gespräche ist die Zusammenarbeit mit FUPAROCA entstanden. Uns hat der Gedanke gefallen, mit der professionellen Unterstützung dieser Stiftung eine noch nicht so gut entwickelte Kakaoregion in der Dom.-Rep. bewusst zu fördern und eine direkte Zusammenarbeit mit den dort ansässigen Kleinbauern und -bäuerinnen einzugehen.

VIVANI

Was erhoffst Du Dir von der Zusammenarbeit mit FUPAROCA, Inc.?

Andreas Meyer

Wir hoffen und so ist es auch vertraglich vereinbart, dass die Kakaoexperten der FUPAROCA-Stiftung die Produzent*innen in dem ausgesuchten Anbaugebiet so für die Zukunft stärken, dass sie - und die nachfolgende Generation - noch mehr Leidenschaft für den Anbau von hochwertigem Bio-Kakao entwickeln und von dem Ertrag ihrer Arbeit gut leben können. Nur wenn sich mit Kakaoanbau gutes Geld verdienen lässt, werden die Kinder der Bauernfamilien in der Arbeit eine Zukunftsperspektive sehen. Andernfalls werden sie eines Tages auf der Suche nach Arbeit in die größeren Städte umsiedeln.

VIVANI

FUPAROCA, Inc. wurde als Non-Profit-Organisation ins Leben gerufen. Was ist der Kern euer Arbeit, José?

José Camilo (FUPAROCA)

Als Stiftung, die den ökologischen Anbau und die Agroforstwirtschaft fördert, ist es unser Ziel, zur Verbesserung der Lebensstandards der FUPAROCA angeschlossenen Produzent*innen beizutragen, indem wir die Produktivität steigern, den Anbau auf ihren Farmen diversifizieren und einen besseren Preis für die Vermarktung des sozial und umweltfreundlich produzierten Kakaos erzielen. Unsere Philosophie ist es, gemeinsam mit den Produzent*innen zu wachsen, basierend auf einem Umfeld des Vertrauens, der Partizipation, der Transparenz, der Ethik und des Engagements für eine biologische und nachhaltige Kakaoproduktion.

VIVANI

Wie lange gibt es euch und wie hat sich der Kakaosektor in den Regionen, in denen ihr tätig seid, in den letzten Jahren verändert?

José Camilo

FUPAROCA, Inc. wurde als ein Programm zur Wiederherstellung der Plantagen von Kakaoproduzent*innen gegründet, die 1999 vom Hurrikan George betroffen waren. Aufgrund der positiven Ergebnisse dieses Programms wurde im Jahr 2004 die "Fundación para la Asistencia Social, Recuperación y Manejo Orgánico de Plantaciones Cacaoteras, Incorporada “Fuparoca, Inc”. " formell als gemeinnützige Organisation gegründet. Seit seiner Gründung gruppiert und begleitet FUPAROCA Kakaoproduzent*innen, um eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Farmen zu erreichen. In der Folge wurden Umwelt- und Sozialzertifizierungen wie BIO, Rainforest Alliance, UTZ, Fairtrade USA und Naturland einbezogen, was ein besseres Management auf Farmebene, die Durchführung von Arbeiten, die den Kommunen zugute kommen, und eine bessere Positionierung des von den Mitgliedern produzierten Kakaos auf dem Markt gewährleistet hat.

VIVANI

Was sind die langfristigen Ziele, die Du Dir mit diesem Projekt gesteckt hast, Andreas?

Andreas Meyer

Wir möchten das Projekt gemeinsam mit allen Beteiligten so weiter entwickeln, dass wir zukünftig den größten Anteil unseres Bedarfs an dominikanischen Bio-Kakao direkt von diesen Produzentengruppen beziehen können.

VIVANI

Und wie wichtig ist es der FUPAROCA, dass Schokoladenproduzenten – wie Weinrich // EcoFinia – direkt mit euch zusammenarbeiten? Welche Vorteile habt ihr dadurch? Und welche Vorteile bietet ihr den Produzenten?

José Camilo

Eine direkte Beziehung zwischen den Kakaoproduzent*innen, die der FUPAROCA angeschlossen sind, und Schokoladenunternehmen wie Weinrich und EcoFinia ist von größter Bedeutung. Diese Art von Initiative festigt die Verpflichtung aller, bewusst und verantwortungsvoll zu produzieren und zu einer Versorgung mit hochwertigem und nachhaltigem Kakao beizutragen. Ebenso ermöglicht es die Durchführung spezifischer Aktionen zum Nutzen der Kakaogemeinschaften und ihrer Bewohner*innen sowie eine bessere Kommunikation, Transparenz und Überwachung.

VIVANI

Und was ist der konkrete Vorteil für VIVANI Kund*innen?

Andreas Meyer

Die Rückverfolgung der Rohwaren bis zu den einzelnen Produzent*innen - vor allem, wenn diese aus Übersee stammen - wird immer wichtiger für bewusst einkaufende Konsument*innen. Diesen Anspruch können wir dann noch besser, noch direkter erfüllen als bisher.

VIVANI

Die abschließende Frage geht an José. Hand auf's Herz: Würdest Du überhaupt eine Schokolade kaufen, von deren Kakao Du nicht weißt, wo er genau herkommt?

José Camilo

Ich würde es tatsächlich bevorzugen, eine Schokolade mit bekannter Herkunft zu konsumieren. Mit dem Wissen, dass es eine soziale und ökologische Verpflichtung des Herstellers gegenüber den Kakaoproduzent*innen gibt und menschliche Werte und Umweltschutz eine zentrale Rolle bei der Kakaobeschaffung spielen.

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