Loving Vincent | Filmtipp für Kunstfans

Van Goghs Ölbilder werden auf der Kinoleinwand lebendig

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
Weltkino Filmverleih

13 Dezember 2017

Wer Filme über Künsterpersönlichkeiten mag, sollte „Loving Vincent“ über den niederländischen Maler van Gogh kennen. Denn das jahrelange Projekt "Loving Vincent" hat einen Film hervorgebracht, den es so noch nie gab. Lebendig gewordene Kunst aus 65.000 eigens gemalten Ölbildern revolutionierte die Filmtechnik und brachten damit faszinierenden Einblicke in die Welt des Künstlers van Gogh hervor, so wie er sie mit seinen Augen gesehen haben könnte.

Weltneuheit: Kinofilm aus 65.000 Ölgemälden!

Sieben Jahren arbeitete die polnische Malerin und Animationskünstlerin Dorota Kobiela ununterbrochen an ihrer Vision eines Filmes über einen der wohl berühmtesten Künstler der Welt, Vincent van Gogh. Dabei sollte es sich von der ersten Minute an nicht um einen Film handeln, wie wir ihn kennen. Als Absolventin der Akademie der bildenden Künste in Warschau ging Kobiela den Film ganz vonseiten der Kunstwerke an.

Die echten Ölgemälde van Goghs standen im Vordergrund und sollten filmisch umgesetzt werden. Im Bereich Animation hatte Kobiela schon reichlich Erfahrung in früheren Filmprojekten gesammelt, realisierte sie doch zuvor bereits fünf Kurzfilme in diesem Bereich. Bald stieß ihr Lebensgefährte Hugh Welchman, selber erfahrener Filmemacher, zum Projekt und unterstützte Kobiela bei Regie sowie Drehbuch und übernahm neben anderen die Produktion von Loving Vincent.

Kobiela und Welchman entwickelten eine Filmtechnik, die es in dieser Form bisher noch nie gegeben hat. Mit realen Schauspielern wurden zunächst die Szenen als eine Art Grundgerüst eingespielt. Diese Aufnahmen dienten insgesamt 125 Künstlern, unter ihnen natürlich auch Kobiela persönlich, als Vorlagen für ihre insgesamt 65.000 Ölgemälde. Diese Gemälde, an etliche Originale van Goghs sehr stark angelehnt, wurden ähnlich der Trickfilmanimation von Bild zu Bild leicht verändert und abfotografiert. Für eine Sekunde Film wurden zwölf Bilder benötigt, an denen die Künstler bis zu zehn Tagen arbeiteten. Ein gigantisches Vorhaben!

Nach über sechs Jahren Arbeit war das Ergebnis ab Ende Dezember 2017 auf den Kinoleinwänden zu sehen. Ein Blockbuster für die Massen? Kobielas simpel formuliertes Ziel spiegelt sich im Titel: „Ich will, dass jeder van Gogh liebt.“ Die Zuschauer sollen angeregt werden, sich mehr mit dem Werk des Künstlers auseinanderzusetzen und ihn als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Kunstwelt zu verstehen und zu schätzen. Da bleibt nur noch eine Frage: Wie sollen diese Ziele erreicht werden, wenn nicht mit diesem Film, einem gemalten Kunstwerk im bewegten Bild? Kobiela beweist das Gegenteil dieses großen Scheinwiderspruchs und begeistert uns noch lange nachhaltig mit den Bildern und Farben dieses wunderschönen Filmes.

Worum geht’s?

Ein Jahr nach dem Tod Vincent van Goghs taucht plötzlich ein Brief des Künstlers an dessen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin erhält den Auftrag, den Brief auszuhändigen. Zunächst widerwillig macht er sich auf den Weg, doch je mehr er über Vincent erfährt, desto faszinierender erscheint ihm der Maler, der zeit seines Lebens auf Unverständnis und Ablehnung stieß. War es am Ende gar kein Selbstmord? Entschlossen begibt sich Armand auf die Suche nach der Wahrheit.

LOVING VINCENT 
Polen / GB 2017
Regie: Dorota Kobiela / Hugh Welchman
Laufzeit: 95 Minuten
Verleih: Weltkino Filmverleih

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