Food Feelings | Buchtipp

Strategien gegen den Heißhunger

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
© iStock, Adene Sanchez
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15 März 2022

Im Februar 2022 erschien das Buch „Food Feelings – Wie Emotionen bestimmen, was wir essen“ der österreichischen Psychologin Cornelia Fiechtl. Ich drehe es um auf den Klappentext, da trifft es mich in großen Buchstaben und ich jubiliere innerlich: Ich fühl mich Schokolade! Besser kann man es kaum formulieren, das trifft es doch auf den Punkt. Ist dieses Buch nun die wissenschaftliche Absegnung dafür, dass wir ohne Reue Schoki schlemmen können, weil wir sie einfach brauchen? Wir haben für euch in dieses spannende Buch hineingeschaut.

Heißhunger vs. Essdrang

Jeder hat es wahrscheinlich schon einmal durchlebt, viele Menschen haben gar täglich damit zu kämpfen – Heißhunger und Essdrang. Ist das nicht dasselbe? Beschreiben nicht beide Begriffe eine unglaubliche Hungerattacke, während der wir uns – vornehmlich mit vermeintlich Ungesundem wie Süßigkeiten – vollstopfen und danach von Schuldgefühlen gequält werden? Vorsicht, hier gilt es zu unterscheiden. Die österreichische Psychologin Cornelia Fiechtl beschreibt in ihrem neuen Buch „Food Feelings“ einige wichtige Unterschiede solcher Futterorgien und entwarnt zumindest die Heißhunger-Fraktion: hier ist etwas Übernaschen sogar erlaubt. Wie bitte?

Von vorne. Heißhunger unterscheidet sich vom Essdrang dadurch, dass hier wirklich Signale unseres Körpers vorliegen, der uns warnt: Ich bin unterversorgt. Zu viel Stress, keine Zeit zum Essen, lange Konzentrationsphasen – wir haben das Essen manchmal sogar völlig vergessen. Sobald ein paar Minuten Zeit sind, meldet sich dann der Heißhunger. Sich jetzt ein Stück Schokolade zu erlauben, ist durchaus erlaubt. Unser Körper braucht unterschiedliche Nahrungsmittel und Nährstoffkombinationen. Auch wenn die Kaloriengrenze des Tages erreicht ist, fehlen dem Körper vielleicht noch ein paar bestimmte Fette und etwas Zucker, wie sie in Schokolade zusammenkommen. Beim physischen Heißhunger steht das Hören auf den eigenen Bauch im Vordergrund, wir müssen uns nicht mit anschließender Reue herumplagen. Wichtig aber immer: nicht gleich ganze Tafeln verschlingen und grundsätzlich auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Emotionales Essverhalten: Essdrang

Dem Heißhunger gegenüber steht das Emotionale Essverhalten, dass von Fiechtl als Essdrang bezeichet wird. Dieser unterscheidet sich grob in zwei Typen. Typ 1 hat Probleme mit unrealistischen Schönheitsidealen unserer Diätkultur und gerät darüber mit sich selbst in Konflikt. Das Hören auf die eigenen Hungergefühle wird unterdrückt, verlernt und äußert sich in massiven Essattacken inklusive anschließenden Schuldgefühlen. Die Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten, ist groß.

Typ 2 hat durch jahrelange Durststrecken im „Durchhaltemodus“ (Stress, Krisen etc.) oder Erfahrungen aus der Kindheit ein falsches Essverhalten gelernt. Essen bedeutet jetzt, sich in schlechten Zeiten zu belohnen, kurze Glücksmomente zu erleben und sich dadurch aufrecht zu halten. Dieser Wunsch geht in der Regel nach hinten los und der Leidensdruck steigt durch Übergewicht und Schuldgefühle immer weiter. Natürlich gibt es auch Mischungen aus beiden Essdrang-Typen.

Tipps, um emotionales Essverhalten zu überwinden

Wer endlich aus dem emotionsgesteuerten Essverhalten aussteigen möchte, der findet in „Food Feelings“ eine Menge Tipps und Strategien dazu. Um das durch Diäten gezügelte Essverhalten (Typ 1) abzulegen, sollte mehr Achtsamkeit beim Essen gelebt werden. So kann es durch verschiedene Übungen gelingen, die eigene Intuition im Bereich Ernährung wiederzufinden. Auch das emotionsregulierende Essverhalten (Typ 2) kann durch bestimmte Tools und Übungen gut bearbeitet werden. Hier steht die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen im Mittelpunkt. Statt Probleme mit Essen zu bewältigen, werden alternative Lösungsansätze geboten.

Fazit: Ein spannendes Buch, dass die komplexen Zusammenhänge zwischen Gefühlswelt und Essverhalten aufschlüsselt. Das Thema klingt zunächst hochwissenschaftlich, wird aber von Fiechtl sehr verständlich und gut lesbar dargestellt. Dazu tragen auch viele Fallbeispiele und rot gedruckte Kernpassagen bei. Kritikpunkt: Ein paar Bilder sowie mehr Schaubilder und Grafiken hätten das Buch zusätzlich aufgelockert.

Zur Autorin

Als klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Yogalehrerin beschäftigt sich die Österreicherin Cornelia Fiechtl mit achtsamem und intuitivem Essverhalten sowie dem Thema Körperrespekt. Fernab von z. T. einseitigen Behandlungsansätzen klassischer Therapieformen begleitet Fiechtl ihre Klient*innen hin zu einem neuen Essverhalten. Ihr Wissen gibt Sie zudem an angehende Diätolog*innen weiter und betreibt außerdem den Podcast „Achtsam Essen“ und die „Achtsam Essen Akademie“. Mehr Informationen über Cornelia Fiechtl findet ihr hier: achtsam-essen.at

Cornelia Fiechtl:
Food Feelings
Wie Emotionen bestimmen, was wir essen
Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2022
broschiert, 192 S.
ISBN: 978-3-218-01275-1
22 €

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