Discounter senken
Preise für Schokolade
Warum hochwertige Markenhersteller nicht folgen können
Text:
© Katharina Kuhlmann
Photography:
© EcoFinia GmbH
5 Februar 2026
Der Schokoladenmarkt erlebt derzeit eine Phase, die viele Konsumentinnen und Konsumenten verunsichert: Nach drastischen Preisanstiegen in den vergangenen Jahren senken Discounter plötzlich wieder ihre Schokoladenpreise. Was auf den ersten Blick wie eine Entspannung wirkt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis komplexer Entwicklungen auf dem Kakaomarkt – und stellt Markenhersteller vor ganz andere Herausforderungen als den Handel.
Auslöser dieser Entwicklungen ist die sogenannte Kakaokrise, die seit Anfang 2024 den weltweiten Kakaomarkt massiv beeinflusst. Sie führte zu historisch hohen Rohstoffpreisen und machte Schokolade so teuer wie nie zuvor.
Die Kakaokrise hat seit 2024 den Rohstoffpreis von Kakao in bislang nicht gekannte Höhen getrieben. Die Folge waren deutliche Preissteigerungen im Schokoladensektor, Produkte wurden im Vergleich zu 2020 durchschnittlich um etwa 70 Prozent teurer. Durch bessere Ernten in Westafrika haben die deutschen Discounter jetzt erstmals wieder ihre Schokoladenpreise gesenkt und setzen damit Markenhersteller unter Druck. VIVANI kann und will bei diesem „Schokopreiskampf“ nicht mitmachen.
Die Ausgangslage: Warum ist Schokolade heute so teuer wie nie?
Anfang 2024 begann die sogenannte Kakaokrise den Rohstoffmarkt für Kakao und damit auch die Schokoladenindustrie massiv unter Druck zu setzen. Verursacht durch den Klimawandel zerstörten Extremwetterlagen und Baumkrankheiten einen Großteil der Kakaoernte in den westafrikanischen Anbauländern Elfenbeinküste und Ghana, die zusammen über 60 % des weltweiten Kakaos erzeugen. Der Kakaopreis, der im Frühjahr 2023 noch bei ca. 2.400 US-Dollar/Tonne gelegen hatte, schoss daraufhin auf schwindelerregende Rekordhöhen von weit über 10.000 USD/Tonne.
Diese extreme Preisentwicklung zeigt, wie empfindlich der Kakaomarkt auf klimatische und strukturelle Störungen reagiert. Da Kakao fast ausschließlich in wenigen Regionen der Welt angebaut wird, lassen sich Angebotsausfälle kurzfristig kaum kompensieren.
In der Folgezeit kam es zu immer mehr Problemen für Schokoladenhersteller, die sich nun nicht mehr ausreichend mit Kakaobohnen bevorraten konnten oder aber deutlich mehr dafür ausgeben mussten. Diese Entwicklungen resultierten bald in deutlichen Preiserhöhungen für Schokoladenprodukte.

Warum senken Discounter ihre Schokoladenpreise?
In der aktuellen Saison hat sich die Lage in der Elfenbeinküste und Ghana wiederum deutlich verändert. Die Kakaoernten fallen wieder besser aus. Das Angebot hat sich vergrößert, die Exportmengen steigen und somit sinkt auch der Kakaopreis wieder. Aktuell kostet eine Tonne Rohkakao etwa 4.000 USD – das sind ca. 60 % weniger als im Vorjahr. Zuletzt war Kakao im November 2023 für diesen Preis erhältlich gewesen. Daneben lässt sich auch ein wachsendes Angebot aus anderen Ländern, wie etwa Ecuador, beobachten, die auf die entstandenen Lücken am Markt reagieren.

Die Entspannung auf dem Kakaomarkt wirkt sich wiederum auf den Handel mit Schokolade aus. Die Teuerung von Schokolade, die sogenannte „Schokoflation“, lässt erstmals seit Krisenbeginn wieder etwas nach. Hier gehen vor allem die Discounter voran, die üblicherweise sehr schnell auf Entwicklungen an den Märkten reagieren. So senkten Aldi, Lidl und Co. die Preise ihrer Eigenmarken um 10 ct auf jetzt 89 ct pro Tafel. Andere Schokoladenprodukte wurden sogar um bis zu 50 ct reduziert. Weitere Preissenkungen wurden bereits angedeutet und Expert*innen gehen nun von einem aufmerksamkeitsstarken „Schokopreiskampf“ aus, der die Kundschaft in den nächsten Wochen und Monaten auch mit Lockangeboten an die jeweilige Marktkette binden soll. Des Weiteren wird vermutet, dass bald auch andere Händler mit ihren Eigenmarken nachziehen werden, da Discounter wie Aldi als wichtige Impulsgeber für die Preispolitik im sogenannten Süßwarenregal gelten. Preisaktionen bei Eigenmarken dienen dabei nicht nur der Kostendeckung, sondern sind vor allem ein strategisches Instrument zur Kundenbindung.
Was hat die Nachfrage mit dem günstigeren Schokoladenpreis zu tun?
Der aktuelle Preisrückgang im Schokoladenbereich bei Discountern erklärt sich aber nur zum Teil durch bessere Kakaoernten. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage kommt bei den aktuellen Entwicklungen nämlich auch für den Bereich der Nachfrage zum Tragen: Höheres Angebot und gesunkene Nachfrage führen zu günstigeren Preisen. Und die Nachfrage hat seit Beginn der „Schokoflation“ in Deutschland tatsächlich deutlich nachgelassen. In einer aktuellen Studie der Meinungsforschungsinstitute YouGov und NIQ gaben 52 % der Befragten an, weniger oder deutlich weniger Schokolade zu kaufen. Dieses Ergebnis bestätigt sich auch anhand der Zahl der verkauften Packungen. Diese ging 2025 um 6 % zurück, bei Weihnachtsschokolade sogar um 12 %.
Schokoladenhersteller bestätigen ebenfalls einen Rückgang der Nachfrage. So meldete der weltweit größte Schokoladen- und Kakaoverarbeiter Barry Callebaut für das letzte Quartal 2025 einen Rückgang um 22 % im Verkaufsvolumen.
Warum können Markenhersteller wie VIVANI die Schokoladenpreise nicht so einfach senken?
Als Hersteller hochwertiger Bio-Schokolade beobachten wir den Kakaomarkt täglich. Die Preissenkungspolitik der Discounter setzt Markenhersteller unter Druck. Gerade kleinere Anbieter, wie auch VIVANI, haben weniger Preissetzungsspielraum. Besonders die gängige Praxis des Rohstoffeinkaufs wird hier zum Problem: Die Preise und Mengen werden stets für 6–12 Monate fixiert. Somit sind die heutigen Lagerkapazitäten zum alten, teureren Preis gefüllt worden und müssen erst einmal verarbeitet werden. Eine schnelle Reaktion auf kurzfristige Preisschwankungen am Markt ist daher so gut wie nicht möglich.
Daneben sind die momentan gesunkenen Preise am Weltmarkt nur eine Momentaufnahme. Insgesamt sind die Rohstoffpreise noch immer zu hoch, um die Schokoladenpreise dauerhaft wieder zu senken. Die aktuellen Anzeichen einer Entspannung dürfen nicht mit der Rückkehr auf Vorkrisenpreise gleichgesetzt werden. Man sollte sich dabei auch nicht durch den von den Discountern ausgerufenen „Schokopreiskampf“ täuschen lassen, was ein Beispiel nahelegt. Eine Tafel Vollmilchschokolade der Eigenmarke ist aktuell wieder für 89 ct anstatt 99 ct. zu haben. Aber: Die gleiche Tafel kostete 2022 noch 49 ct. Schokolade ist also auch heute noch vergleichsweise teuer.
VIVANI bleibt Qualität
Die Entwicklungen am Kakaomarkt sind kompliziert und hängen von vielen Entwicklungen ab, die auch wir nicht absehen können – Stichwort: Klimakrise. Um auch in Zukunft wirtschaftlich bestehen zu können und weil wir unsere Kundschaft zudem nicht einem ständigen Auf und Ab der Preise aussetzen möchten, können wir die Preise zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht senken. Es bleibt wichtig, den Kakaomarkt und die Entwicklungen in den Anbaugebieten vor Ort stets genau im Blick zu haben, um den Kakao für Ihre Schokolade auch in Zukunft zu einem fairen Preis für alle Beteiligten und in gewohnter Bio-Qualität einzukaufen.
Wir danken Ihnen für Ihr Vertrauen!

Quellen:
https://www.tagesschau.de/video/video-1552234.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/kakaopreis-schokolade-preise-handel-100.html
https://www.n-tv.de/wirtschaft/Discounter-senken-Preise-fuer-Schokolade-id30302228.html
https://www.handelsblatt.com/dpa/lebensmittelpreise-mehr-kakao-geerntet-schokolade-wird-teilweise-guenstiger/100197339.html
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