Sichern Bienen
unseren Schokovorrat?

Ein kleiner Ausflug in die faszinierende Welt der Bestäubung

Text:
Alexander Kuhlmann

Photography:
© Alexander Kuhlmann

20 Mai 2020

Am heutigen Weltbienentag (World Bee Day | 20. Mai) kreisen unsere Gedanken natürlich ganz um die kleinen Brummer, die so immens wichtig für unser Ökosystem sind. Als Bestäuber sichern sie den Erhalt einer gesunden Pflanzenwelt und sind daher für uns Menschen von (über)lebenswichtiger Bedeutung. Wir Schokoladenhersteller stellen uns daher heute ganz besonders die Frage, ob Bienen auch Einfluss auf die Verbreitung der Kakaopflanze nehmen. Die Antwort ist schier verblüffend!

Natürlich lebt auch der Kakaobaum von der Bestäubung. Je mehr seiner Blüten bestäubt werden, desto mehr Früchte reifen an ihm. So soll die Intensität der Bestäubung – laut einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Göttingen – sogar eine wichtigere Rolle für den Ernteertrag einnehmen, als eine optimale Versorgung des Kakaobaums mit Wasser, Licht und Stickstoff. Ist also die Biene die entscheidende Instanz in der Wertschöpfungskette, die unser aller Schokoladenvorräte sichert? Die Antwort vorweg: Nein, ist sie leider nicht.

Für die Bestäubung der Kakaoblüten – und das wird einige bestimmt verblüffen – zeichnen sich tatsächlich nicht Bienen, sondern winzige Mücken verantwortlich. Genauer gesagt Gnitzen der Gattungen Forcipomyia und Euprojoannisia, die im feuchten, fauligen Unterholz im Schatten der Kakaobäume leben. Sie sind nur 1-3 Millimeter groß und passen in die schmalen Blütenköpfe des Kakaobaums, in welche eine Biene gar nicht eindringen könnte. Daher ist es extrem wichtig – und hier punktet abermals der Anbau nach biologischen Maßstäben – dass die Kakaobauern auf jedwede Art von Mückenschutzmitteln verzichten.

Also hat die Biene für den Erhalt der Kakaopflanze keinerlei Bedeutung? Vielleicht nicht direkt. Trotzdem ist sie – zumindest für den Bio-Kakaoanbau – auf anderer Ebene von großer Wichtigkeit. Da Bio-Kakao grundsätzlich in Mischkulturen kultiviert wird, um die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt zu sichern, leistet die Biene ihren Beitrag, indem sie alles, was so um den Kakaobaum herum gedeiht, bestäubt und ihm dadurch perfekte Rahmenbedingungen schafft: Schattenspender, nährstoffreiche Böden, Pflanzen (wie Bananenstauden oder Papayabäume), die Einfluss auf das Geschmacksprofil des Kakaos nehmen können. Um sich diesen Nutzen zu eigen zu machen, siedeln viele Kakaobauern Bienen in ihrem Kakaowald an (siehe Titelbild) und haben durch die Imkerei sogar noch einen weiteren Nebenerwerb. Und ganz ehrlich: Der Regenwald-Honig schmeckt einfach fantastisch anders. Sollte man unbedingt mal probiert haben!


Der Weltbienentag wird seit dem Jahr 2018 am 20. Mai gefeiert. An diesem Tag wurde 1734 der Pionier der modernen Imkerei Anton Janša geboren. Der Feiertag wurde von Slowenien im Rahmen der Organisation der Vereinten Nationen vorgeschlagen und am 20. Dezember 2017 angenommen. [Quelle: Wikipedia]

 

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