Kakaoländer der Welt

Zahlen, Weltmarkt, Probleme

Text:
Katharina Kuhlmann

Photography:
© Alexander Kuhlmann

29 April 2021

Kakao ist der wichtigste Rohstoff zur Schokoladenherstellung. Aber welche Länder kultivieren eigentlich Kakaobäume und welche sind Spitzenreiter in den jährlichen Produktionsmengen an Kakaobohnen? Durch spezielle Bedingungen und Hintergründe entsteht eine ziemlich wackelige Weltmarktsituation mit fatalen Folgen vor allem für die Erzeuger, die Kleinbauern.

Der Kakaogürtel

Der Kakaobaum lässt sich ohne Untertreibung als tropische Diva bezeichnen. Er gedeiht nur in Ländern des sogenannten Kakaogürtels. Dies sind Länder und Regionen, die nicht mehr als 20° nördlicher und südlicher Breite vom Äquator entfernt sein dürfen. Auch müssen Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Höhenlage stimmen, sonst gedeihen die Früchte nicht oder nur schlecht. Als wäre das noch nicht genug, ist die Pflanze zudem recht sonnenempfindlich, krankheits- und schädlingsanfällig und trägt das ganze Jahr hindurch Blüten und Früchte, was die Bewirtschaftung zu einer echten Herausforderung macht. Erfahrt mehr über den Kakaobaum in unserem umfangreichen Special.

Die größten Kakaonationen liegen in Afrika

Der Kakaogürtel umfasst vor allem Länder in Afrika und Mittel- und Südamerika. Aber auch einige Länder in Asien produzieren größere Mengen Kakao. Aus Australien und Ozeanien kommen nur geringe Anteile der Welternte. Die Ursprungsregionen des Kakaos in Mittel- und Südamerika sind heute eher für Spezialitätenkakaos bekannt. Der Löwenanteil der weltweiten Kakaoproduktion kommt aus Westafrika. Das mit Abstand größte Produktionsland ist die Elfenbeinküste. Schätzungen der ICCO (International Cocoa Organization) für das noch nicht komplett ausgewertete Erntejahr 2019 / 2020 ergaben einen Anteil von 2,1 Mio. Tonnen Kakaobohnen allein aus der Côte d’Ivoire, gefolgt von Ghana mit 800 Tsd. Tonnen. So machen die Ernteanteile allein dieser beiden Länder jährlich rund 70 % des gesamten Weltmarktes aus. Zusammen mit der Ernte aus anderen afrikanischen Ländern (z. B. Kamerun und Nigeria) ergibt sich so für 2019 / 2020 ein Anteil von mehr als 75 % der gesamten Jahresmenge weltweit. Die gesamte Jahresmenge – das waren beispielsweise in der Saison 2018 / 2019 über 4,8 Mio. Tonnen Kakaobohnen.

Ursprungsländer in Amerika

Amerikanischer Kakao kommt vor allem aus Ecuador (328 Tsd. Tonnen 2019 / 2020) und Brasilien (201 Tsd. Tonnen 2019 / 2020). Länder wie Peru, die Dominikanische Republik und einige andere stellen dagegen deutlich geringere Mengen her. Jedoch haben viele dieser Länder das Privileg, sich als Hersteller von Edelkakao bezeichnen zu dürfen. Diese sogenannten „fine flavour cocoa“-Nationen werden regelmäßig vom ICCO festgelegt und umfassen derzeit 23 Länder. Edelkakao zeichnet sich durch seine besonderen Aromenspektren aus. Die ICCO legt zudem die Mengen an Edelkakao fest, die aus einem Land kommen sollen. So gibt es Mischländer, wie z. B. Ecuador, das 75 % Edelkakao liefert. Dagegen gilt beispielsweise Kakao aus Bolivien zu 100 % als edel. Die Auszeichnung „Edelkakao“ ist natürlich auch für den Kakaopreis entscheidend.

Insgesamt beläuft sich der Weltmarktanteil amerikanischen Kakaos mit 864 Tsd. Tonnen auf ca. 18 % für das Jahr 2019 / 2020 – ein gravierender Unterschied zu den über 75 % afrikanischen Kakaos. Asien, Ozeanien und Australien bringen es im Vergleich dazu nur auf knapp 6 %, wobei Indonesien mit 200 Tsd. Tonnen weit vor anderen Produktionsländern liegt.

Der Weltmarktpreis fährt Achterbahn

Die weitere Verarbeitung des Rohstoffes Kakao findet kaum in den Erzeugerländern statt. Fast ausschließlich Länder der Nordhalbkugel (allen voran Europa und die USA) vermahlen die Bohnen und stellen Schokolade und andere Endprodukte daraus her. Aus diesem Grund kommt dem Handel eine entscheidende Rolle im Kakaosektor zu: Etwa 95 % der Gesamternte werden auf dem Weltmarkt gehandelt und sind daher dem Weltmarktpreis unterworfen. Das birgt Gefahren und hat Folgen.

Negative Einflussfaktoren auf den Kakaopreis sind zum einen die Inflation. Diese bewirkte seit den 1980er Jahren eine annähernde Preishalbierung. Zum anderen bringen politische Instabilitäten in den Anbauländern und klimabedingte Schwankungen die Preise massiv ins Wanken. So können sowohl Ernteausfälle und schlechte Qualitäten durch Wetter oder Schädlinge schlimme Folgen haben. Aber auch scheinbar positive Rekordernten beeinflussen das Gefüge negativ, da aufgrund des Überangebots der Preis sinkt. So verhielt es sich auch zuletzt bei der Rekordernte in der Elfenbeinküste 2016 / 2017, durch die der Kakaopreis um satte 40 % einbrach.
Aktuell hat sich der Kakaopreis bei knapp 2.000 € / Tonne eingependelt.

Der Bauer profitiert selten – Probleme und Initiativen

Die Ausfälle treffen die Bauern am härtesten. Sie bekommen ohnehin nur einen marginalen Teil am Erlös einer Tafel Schokolade. Gerade einmal durchschnittlich 6 % des Geldes landet beim Bauern, während Schokoladenhersteller 35 % und Supermärkte sogar 44 % des Gewinns einstreichen. Des Weiteren verdienen noch Verarbeiter und Vermahler, staatliche Behörden sowie Zwischenhändler und Transporteure mit.

Der niedrige Grundgewinn sowie die fehlende Planbarkeit durch die Schwankungen führt fast alle der 5,5 Mio. Kakaobauern und -bäuerinnen weltweit an den Rand oder sogar unter die Armutsgrenze. Gleiches gilt für ihre 14. Mio. angestellten Arbeiter*innen und deren Familien. Als traurige Konsequenz kommen hierdurch die Themen Kinderarbeit und Umweltzerstörung ins Spiel, die seit Jahren den Teufelskreis anheizen. Letztere in Form von großen Kakaoplantagen, die die Böden auslaugen, und verzweifelten Kleinbauern, die immer mehr Flächen roden anstatt Anbaumethoden zu verbessern.

Die Probleme sind schon lange bekannt und Konzepte wie Zertifizierungen versuchen, die Situation zu verbessern. Allerdings gelingt es nicht einmal dem Vorreiter in Sachen Fainess, dem bekannten Programm Fair Trade, der Lage Herr zu werden. Immer noch ist der Verfall des Weltmarktpreises zu gravierend und die Prämien der Zertifizierer kommen zum Großteil den Kooperativen, nicht aber dem einzelnen Bauern, zugute. Daher hat es für Bauern noch zu wenige positive Effekte, dass immer mehr Kakao zertifiziert wird – in Deutschland ist der Kakao in verkauften Süßwaren mittlerweile mit über 70 % nachhaltig zertifiziert.
Um mehr zu erreichen, hat die Bundesregierung vor zwei Jahren einen 10-Punkte Plan erarbeitet, der aber an vielen Stellen schwammig bleibt. Experten fordern gesetzliche Grundlagen auf EU-Ebene, die sich aber nur zögerlich entwickeln. Bis dahin müsste eine größere Selbstverpflichtung von Seiten der Hersteller ausgehen, so Friedel Hütz-Adams vom Südwind-Institut.

Und bei VIVANI? Wir verlassen uns nicht nur auf Siegel

Als Hersteller haben wir uns dazu entschieden, selbst Verantwortung zu tragen. Ein Mix aus unabhängigen Kontrollen durch nachhaltige Zertifizierungen (Bio, Rain Forest Alliance) und eigenen Initiativen scheint uns hierbei ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, da wir uns nicht allein auf Siegel verlassen wollen. Daher unterstützen wir diverse Hilfsprojekte in den Ländern unseres Hauptrohstoffes Kakao, u. a. Präventionsprojekte gegen ausbeuterische Kinderarbeit und ein Direct Trade Projekt in der Dominikanischen Republik.
Zudem bezieht und verarbeitet unser Produktionspartner, die Ludwig Weinrich Schokoladenfabrik in Herford, mittlerweile ausschließlich nachhaltig zertifizierten Kakao und beschäftigt mehrere Nachhaltigkeitsmanagerinnen, die sich um die Analyse und Verbesserung der oben thematisierten Problematiken und Systeme bemühen.

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